Herausforderungen vor dem Jahr 2000

Die Alp Holzmatten ist die ärmste der sieben Alpgenossenschaften in Grindelwald. Touristische Einnahmen fehlten weitgehend und die Infrastruktur war in schlechtem Zustand. Nur ein Läger war mit Strom erschlossen, die Hütten veraltet, die Strassen kaum noch befahrbar und die Wasserversorgung ungenügend. Die Hütten befanden sich in Privatbesitz und die veralteten Produktionsstätten erfüllten nicht mehr den modernen Hygieneanforderungen und Sicherheitsstandards.

Gleichzeitig wurde es immer schwieriger gute Sennen zu finden, da die Arbeits- und Lebensbedingungen nicht mehr der heutigen Zeit entsprachen. Auch die Anzahl des Viehs ging permanent zurück.

Fazit: die Existenz der Alp Holzmatten war zu diesem Zeitpunkt ernsthaft gefährdet.

Durch Erosion und Verwaldung wurde wertvolles Kulturland gefährdet. Die Verdrängung seltener Pflanzenarten gefährdeten die Alpkäseprodukion, ein lebensnotwendiger Wirtschaftszweig in der Region. Die wenigen Einnahmen aus Sömmerungsbeiträgen, Strassennutzungsentschädigungen durch den Busbetrieb, Holzverkauf sowie die Arbeitskräfte mussten gezielter eingesetzt werden.

Massnahmen zur Erneuerung 2000-2017

Das Projekt zur Erschliessung der Hütten mit Strom wurde im Jahr 2000 erarbeitet. Eine Freileitung bis auf 2130 m wurde in eigener Regie erstellt und sämtliche Alphütten vom unteren Läger, Steessiboden bis auf das Feld mit Strom versorgt.

2002 wurden die Alphütten im Privatbesitz von der Bergschaft gekauft und gingen so in Gemeinschaftseigentum über.

2003 legte man die zwei Kuh-Senntümer zusammen. So konnten diese bezüglich Vieh und Arbeitskraft besser ausgelastet werden.

Dadurch wurde die Möglichkeit geschaffen Neu- und Umbauten in die Wege zu leiten. Die Bergschaft erschuf eine neue Hütte auf dem „Feld“ im Jahr 2004. 2010 wurde die Alphütte im „Läger“ saniert und modernisiert. Der Hüttenneubau auf dem Feld wurde vom Kanton und Bund mit einem zinslosen Darlehen unterstützt. Die Berghilfe und diverse Sponsoren stellten zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung. In allen Kuhställen wurden Rohrmelkanlagen installiert.

Die neuen Produktionsstätten ermöglichten der Alp Holzmatten einen Beitritt zur Casalp .Es bestand die Möglichkeit, Alpkäse mit dem Gütesiegel AOC zu produzieren. Dies führte zu einer bedeutenden Verbesserung der Qualität. Bei den Beurteilungen für Alpkäse erzielen wir die Maximalpunktzahl 20.

Im Jahr 2004 richteten wir in zentraler Lage im Steessiboden ein Ziegensenntum ein. Die Ziegenbauern sanierten und modernisierten zwei Alphütten der Bergschaft mit Hilfe von Sponsoren, der Besetzerschaft und viel Eigenleistung. Die Anzahl der Ziegen wuchs von anfangs 35 Tieren auf mittlerweile 60 Tiere. Die Ziegen werden gehütet und in der Nacht im Laufstall gehalten.

Entwicklung der Infrastruktur

2000/01      Bau der Stromleitung von Bussalp auf das Feld

2002           Erschliessung des Steessibodens mit Strom mit eingepflügtem Kabel vom Läger

2004           Bau der neuen Hütte auf dem Feld

2010           Ausbau von 2 Hütten im Steessiboden für die Bedürfnisse des Ziegen-Senntums

2010           Ausbau der Hütte im Läger mit neuer Käserei und neuem Wohnteil

2014/15      Neueindecken der Spycher im Läger mit Schindeln, Anschluss ans Stromnetz.

2017           Neueindecken der Hütte im Läger nach Hagelschaden mit Schindeln.

Bei Neubau, Sanierung und Modernisierung der Alphütten engagierten wir ausschliesslich einheimisches Gewerbe. Die Trockenmauerfundamente und Schindeldächer wurden nach traditioneller Art und Weise erstellt.

Für fliessendes Wasser und sanitäre Anlagen in allen Alphütten bereit zu stellen wurden ab 2004 neue Quellen gefasst sowie neue Brunnstuben und Leitungen gesetzt. Zusätzlich versenkte man Wasserspeichertanks im Boden.

Die Privatstrasse auf das Feld der Bergschaft Holzmatten wurde in freiwilliger Arbeit der Bauern in Stand gesetzt.

Personalwesen

Um die Personalkosten effizienter zu gestalten, trennte man das Kuh- und das Ziegensenntum. Durch die Infrastrukturverbesserungen stieg die Attraktivität der Alp, was uns ermöglichte qualifizierte Sennen in beiden Sennten anstellen.

Im Alpsommer 2013 konnte in einem Pilotprojekt für Grindelwald ein Zivildienstleistender für Landschaftspflege und Wegesanierung auf der Alp aufgeboten werden.

Das Senntum mit den Kühen und dem Galtvieh wird durch Lori und Martin Haldimann betreut. Lori übernimmt das Käsen. Martin melkt die Kühe, treibt sie auf die Weide und sammelt sie zu gegebener Zeit wieder ein. Weitere Arbeiten wie Zäune erstellen, Brunnentröge herstellen, Holz rüsten usw. werden durch Martin ausgeführt, unterstützt durch die Besetzer im Rahmen des obligatorischen Frondienstes (sog. Tagwann).

Im Ziegensenntum sind Martina Haller und eine Zusennerin beschäftigt. Weitere Informationen unter:steessiboden.ch

Gewerbe Alpwirtschaft, Landschaftspflege & Tourismus

Wir verstehen uns nicht lediglich als Agrarbetrieb sondern auch als Pfleger der Kulturlandschaft.

Alte Tröge und Stacheldraht werden laufend durch neue Tröge und Zaunmaterial ersetzt. Diese Massnahmen dienen primär den Wildtieren und dem Bergtourismus.

Wanderwege werden laufend in Stand gestellt. Sturmholz wird zu Brennholz verarbeitet. Veraltete, nicht mehr benutzte Gebäude sollen in den kommenden Jahren zurückgebaut werden.

Die Ziegen übernehmen gleichzeitig die biologische Landschaftspflege. Sie fressen die lästigen „Blacken“, in der Umgebung der Alphütten. Auf diese Weise kann der wilden Verbuschung Einhalt geboten werden. Die Ziegen können in Gebieten weiden, die die das Vieh nicht begehen kann. Sie tragen aktiv zum Schutz gegen Erosion bei.

Das Wandergebiet bleibt für Touristen attraktiv und ist ein Ort der Erholung. Die Höhenwanderwege 1‘600 m, 1‘800 m und 2‘000 m führen durch unser Alpgebiet und sind mit der Firstbahn und mit dem Grindelwald Bus gut erreichbar.

Wo die Möglichkeit bestand, wurden die Neubauten mit Schindeln eingedeckt. z.B. Feld und Läger sowie die Wandverkleidung im Steessiboden.

Nachhaltigkeit & Unternehmertum

Um die Personalkosten effizienter zu gestalten, trennte man das Kuh- und das Ziegensenntum. Durch die Infrastrukturverbesserungen stieg die Attraktivität der Alp, was uns ermöglichte qualifizierte Sennen in beiden Sennten anstellen.

Im Alpsommer 2013 konnte in einem Pilotprojekt für Grindelwald ein Zivildienstleistender für Landschaftspflege und Wegesanierung auf der Alp aufgeboten werden.